Interview

Worüber Bischof Felix sprechen möchte

Genn: "Ich kann sagen, dass ich mich bei diesen Jugendlichen wohl fühle, weil ich merke, dass sie aufgeschlossen sind für die Botschaft des Evangeliums. Ich werde dabei selber berührt von deren Glauben."
Bischof Felix Genn.

Fünf Mal lädt Bischof Felix Genn in diesem Jahr junge Menschen aus dem Bistum zu Jugendkatechesen in die münstersche Jugendkirche "Effata" ein. Im Interview mit kirchensite.de erläutert er, was ihn dazu bewegt hat und was er den jungen Leuten sagen möchte


kirchensite.de: Die Weltjugendtage haben das Thema Katechese neu in den Fokus gestellt. Was ist eigentlich Katechese?
Bischof Felix Genn: Katechese ist eine Hinführung und Einführung in den christlichen Glauben und in das Leben des Glaubens.

kirchensite.de: Sie haben beim Weltjugendtag (WJT) in Spanien selber Katechesen gegeben. Wie war das für Sie?
Bischof Felix: Eine wunderbare Erfahrung! Das hat mich unter anderem auf diese Idee gebracht. Ich möchte Jugendliche einladen, mit mir über unseren gemeinsamen Glauben zu sprechen.

kirchensite.de: Da hatte der WJT eine nachhaltige Wirkung.
Bischof Felix: Ja, so ist es.

kirchensite.de: Was hat Sie besonders begeistert bei ihren bisherigen Katechese-Erfahrungen?
Bischof Felix: Das war vor allem die Bereitschaft der Jugendlichen, den Glauben mitzuteilen. Gleichzeitig waren sie bereit zu hören, wie ich glaube und was ich ihnen vom Glauben der Kirche erzählen kann. Mich hat die Offenheit der Jugendlichen, sich darauf einzulassen, fasziniert.

kirchensite.de: Was macht eine gute Katechese für Sie aus?
Bischof Felix: Ich finde den Wechsel von Darlegung, Austausch und Gespräch wichtig.

kirchensite.de: Reicht dafür eigentlich der "normale" Religionsunterricht nicht aus?
Bischof Felix: Im Religionsunterricht gibt es Noten – in der Katechese nicht (lächelt).

kirchensite.de: Aha, Sie verteilen keine Noten. Wäre das auch geklärt …
Bischof Felix: Was ich damit sagen möchte: Der Religionsunterricht ist ein Schulfach mit allen Vor- und Nachteilen. Es ist ein Fach, das sich im Schulbetrieb rechtfertigen muss; es muss im Kanon der übrigen Fächer bestehen. Sie dürfen nicht vergessen, dass der Religionsunterricht auch Jugendliche und jungen Erwachsene ansprechen sollte, die mehr oder weniger oder vielleicht auch gar nicht mit der Kirche in Kontakt stehen.

kirchensite.de: Und wen erwarten Sie bei Ihren Jugendkatechesen?
Bischof Felix: Selbstverständlich sind bei der Katechese Jugendliche willkommen, die nur wenig mit der Kirche zu tun haben. Aber ich gehe davon aus, dass viele kommen werden, die bereits am Glauben der Kirche teilnehmen. Viele leben aus dem Glauben – und sei es auch in Form von Fragen und Zweifeln. Es geht darum, dass hier die Möglichkeit geboten wird, zu einem lebendigen Austausch zu kommen.

kirchensite.de: Aber ist es nicht auch so ein bisschen das Feuer der Begeisterung, was bei einer Katechese noch stärker rüberkommt?
Bischof Felix: Wenn viele Gleichgesinnte da sind, ist dies natürlich leichter: dann springt der Funke schneller über.

kirchensite.de: Wie erklären Sie sich die Aufgeschlossenheit der Jugendlichen für diese Katechese-Veranstaltung?
Bischof Felix: Es gibt die Grundsehnsucht des Menschen, die wichtigen Fragen des Lebens beantwortet zu bekommen: Wer bin ich? Woher komme ich? Was ist der Sinn des Lebens? Wofür lohnt es sich zu leben? Was kommt nach dem Tod? Wer sich diesen Grundfragen stellt, der hat eine Sensibilität für die Botschaft des Glaubens – davon bin ich fest überzeugt.

kirchensite.de: Sie gehen also davon aus, dass Leute kommen, bei denen sich diese Fragen aufdrängen?
Bischof Felix: Das vermute ich: Es werden junge Menschen sein, bei denen irgendwie der Glaube gefunkt hat oder auch Fragen aufgetaucht sind.

kirchensite.de: Und mit den Jugendkatechesen möchten Sie testen, wie diese bei den Jugendlichen ankommen?
Bischof Felix: Genau. Es gibt andere Bischöfe, die Ähnliches schon mit Erfolg getan haben: Kardinal Martini in Mailand, Kardinal Schönborn in Wien. Darüber habe ich nun schon etwas länger gebrütet. Wir probieren es darum einmal. Wenn es klappt: wunderbar. Wenn es nicht angenommen wird, dann war es ein gut gemeinter Versuch.

kirchensite.de: Es könnte also auch eine feste Einrichtung werden?
Bischof Felix: Möglich wäre das.

kirchensite.de: So ähnlich war es mit Jugendgebetsabenden …
Bischof Felix: Dies hat mich in meinem Vorhaben bestärkt. Ich kann auch sagen, dass ich mich bei diesen Jugendlichen wohl fühle, weil ich merke, dass sie aufgeschlossen sind für die Botschaft des Evangeliums. Ich werde dabei selber berührt von deren Glauben.

kirchensite.de: Welche Themen möchten Sie mit den jungen Menschen ansprechen?
Bischof Felix: Ich habe mich an den vier Teilen des Katechismus orientiert: Der Katechismus spricht vom Inhalt des Glaubens. Er spricht davon, wie dieser Glaube gefeiert wird in den Sakramenten der Kirche. Er spricht davon, was das für das Handeln bedeutet. Und er spricht davon, wie man beten kann. Das könnte sozusagen der rote Faden werden, an dem sich die Katechesen orientieren.

kirchensite.de: Was erhoffen Sie sich als Reaktion?
Bischof Felix: Ich möchte gern sechs Punkte nennen: Bevor überhaupt ein Wort des Glaubens gesagt wird, gibt es das Zeugnis des Lebens. Das bin in dem Fall ich und für mich sind es die Jugendlichen. Wir bringen gemeinsam das Zeugnis des Wortes und wir erfahren Gemeinschaft. Wir feiern unseren Glauben in den Sakramenten, und schließlich geht es um den missionarischen Aufbruch, der daraus entsteht.

kirchensite.de: Das Thema Katechese ist ja in vielen Gemeinden vor allem – meist auch ausschließlich – durch die Erstkommunion- und Firmvorbereitung präsent. Müsste eigentlich noch mehr Augenmerk auf Katechese gelegt werden?
Bischof Felix: Vielleicht kennen Sie die Aussage: Jesus hat mit den Kindern gespielt und die Erwachsenen belehrt – wir belehren die Kinder und spielen mit den Erwachsenen. Wir sollten aber die Praxis Jesu wieder verstärkt in den Blick nehmen.

(Interview: Norbert Göckener, Foto: Michael Bönte, kirchensite.de)