09. Dezember 2018

320 Jugendliche denken mit Bischof Genn über den Sinn des Lebens nach

Was ist der Sinn des Lebens? 320 Jugendliche aus dem Bistum Münster und diese große Frage füllten am 9. Dezember die Jugendkirche „effata“ in Münster. Gruppen aus Nordkirchen, Südkirchen, Capelle, Heek, Epe, Hörstel, Moers, Legden, Wachtendonk und Münster waren zur Jugendkatechese mit Bischof Dr. Felix Genn gekommen, um über den Wert des Lebens nachzudenken und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Neue Trends, Markenklamotten und die Meinung anderer – per Knicklicht stimmten die Jugendlichen unterschiedlichen Aussagen zu, was sie im Leben beeinflusst. „Niemand möchte ein Außenseiter sein“, stimmte der Bischof den jungen Besuchern zu. „Und was ist so schlimm daran, wenn ich Wert darauflege, wie andere mich wahrnehmen?“ Immer wieder erlebe er aber junge Menschen, die auf der Suche nach dem wahren Sinn des Lebens seien. Auch er selbst habe diese Erfahrung gemacht: „Was soll ich aus meinem Leben machen? Als ich in eurem Alter war, hat mich diese Frage umgetrieben“, blickte Genn zurück.

Seine persönliche Antwort teilte er mit den Jugendlichen: „Für mich liegt die Antwort in Beziehungen, in der Tatsache, dass es Menschen gibt, die mir zeigen: Du bist etwas wert. Unabhängig davon, wie Du aussiehst, was Du leistest, welche Noten Du erbringst, sondern einfach, weil es Dich gibt.“ Er ermutige sie, sich nicht einem äußeren Druck auszusetzen, sondern sich immer wieder neu die Frage zu stellen, was wirklich wichtig ist im Leben.

Aus christlicher Sicht komme eine weitere Dimension hinzu, erklärte Bischof Genn. „Du lebst, weil zwei Menschen sich geschenkt haben. Das ist Leben ist also eine Gabe, ein Geschenk.“ Jesus selbst sei mit seinem Leben ein Zeichen dafür, dass jeder Mensch nicht nur die Gabe zweier Menschen, sondern die Gabe Gottes sei. Sich selbst geben, darin liege der Sinn des Lebens aus seiner Sicht, verriet der Bischof und ermutigte die Jugendlichen: „Wenn Du anderen gibst, bekommst Du mehr zurück als Du anderen gegeben hast.“

Untereinander und mit Bischof Genn tauschten sie sich anschließend darüber aus, was ihr Leben ausmacht und wofür sie leben. Ihre Antworten konnten sie per Handy anonym verschicken und so auf eine Leinwand projizieren.

Eine Premiere war der Besuch der Jugendkatechese für Maren und Kathrin aus Wachtendonk. Die beiden Jugendlichen, die Mitglieder des Jugendliturgieausschusses in ihrer Heimatpfarrei St. Marien sind, waren gekommen, um eine andere Form des Gottesdienstes zu erleben. „Die Musik der Effata-Band, das Licht, die Videoclips – das hat uns sehr gut gefallen“, fasste die 13-jährige Kathrin zusammen. Auch das Thema, die Frage nach dem Wert des Lebens, habe sie angesprochen, fügte Maren (12) hinzu: „Das kann man gut auf das eigene Leben übertragen.“

30. November 2018

"Du bist schön, so wie Du bist"

Was ist „fake“ in meinem Leben? Und was ist echt? Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch den Jugendgebetsabend, den Bischof Dr. Felix Genn am 30. November mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Jugendkirche „effata“ in Münster gestaltete. „Toll, dass hier unsere Themen so offen angesprochen wurden“, waren nach rund einer Stunde mit viel Musik, Video-Clips und persönlichen Worten des Bischofs Jugendliche aus Oer-Erckenschick angetan von der Atmosphäre.

Ihre Gruppe sowie Jugendliche aus Paderborn, Münster und Stadtlohn verfolgten interessiert die verschiedenen Module, mit denen das Vorbereitungsteam das Thema des Abends aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtete. Schon der Einstiegs-Clip zeigte, wie junge Menschen ihre Selfies „aufhübschen“, ehe sie diese dem Freundeskreis zuschicken - eine Spirale von Verstellungen wuchs daraus, denn niemand traute sich, sein oder ihr wahres Gesicht zu zeigen.

„Die Kehrseite der Medaille ,fake‘ ist Echtheit“, ging Bischof Genn anschließend auf das Video ein und ermutigte die Zuhörenden, nicht einem Gruppendruck nachzugeben: „Ich habe in meiner Jugend selbst erlebt wie es ist, wenn jemand durch Schwindel und Lügen fertig gemacht wird, weil er anders ist“, berichtete Genn. „Gerade in der digitalen Welt sind durch Mobbing rasch tiefe Verletzungen zugefügt.“ Der Bischof bat die jungen Leute, in ihrem Alltag solch ausgegrenzten Menschen zu helfen, ihren eigenen Platz zu finden.

An sechs kleinen Tischen fanden sich danach Aussagen wie: „Ich bearbeite meine Fotos, bevor ich sie hochlade. Ich gebe gerne mit Fotos von meinem Essen an. Oder: Ich poste mich gerne mit coolen Leuten.“ Wer dabei etwas fand, das zutraf, konnte das Kärtchen auf dem Altar ablegen. Für wen nichts Passendes dabei war, legte die Hand auf den Altar, um innerlich Belastendes abzugeben.

„In den Augen Gottes bist Du schön, so wie Du bist“, nahm Bruder Konrad Schneermann einen Songtext auf und wünschte den Jugendlichen, dass sie so sein dürften wie sie sind. Auch der Bischof ermutigte vor dem Segen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, zu sich zu stehen, ihren Platz im Leben zu suchen - und im beginnenden Advent im äußerlichen Trubel auch das eigene innere Licht zu finden.

Heike Hänscheid

14. September 2018

Bischof Genn blickt beim Jugendgebetsabend mit 320 Jugendlichen auf das Erwachsenwerden

Ein lautes Summen erhebt sich, dringt bis in den letzten Winkel der Münsteraner Jugendkirche „effata“. Es ist kein Bienenschwarm, der diesen Lärm verursacht. Es sind 320 Jugendliche, darunter viele Firmlinge, die am 14. September zum Jugendgebetsabend mit Bischof Dr. Felix Genn gekommen sind. Das Summen signalisiert die Zustimmung der Jugendlichen zur Aussage: „Das Schöne am Erwachsensein ist, dass man selbstständig ist.“ Kaum hörbar ist die Menge dagegen als es heißt: „Ich will noch gar nicht erwachsen sein.“ Eine spielerische Annäherung an das Thema des Abends „Erwachsen[?]“.

„Als ich von dem Thema erfuhr, habe ich mich erst einmal gefragt, was das eigentlich mit mir zu tun hat“, wandte sich Bischof Genn direkt an die Jugendlichen aus Herten, Kalkar, Wettringen, Neuenkirchen, Ahaus, Ascheberg, Alverskirchen, Willen, Wessum, Laer-Holthausen Beerlage, Dülmen, Borken und Münster. „Und schnell kamen mir Bilder in den Sinn von dem, was ich erlebt habe, als ich so alt war wie ihr. Es war die schönste Zeit meines Lebens“, betonte er. Drei Dinge gehörten für jeden auf dem Weg des Erwachsenwerdens dazu, zeigte sich Genn überzeugt: „Die Abnabelung von den Eltern, das Entdecken der eigenen Sexualität und die Erfahrung des eigenen Willens.“

Bei der näheren Erläuterung gab er persönliche Einblicke in sein Leben. „Es ist spannend zu erleben, dass der Wunsch aufkommt: ich will ich selber sein, frei sein, selbstbestimmt.“ Diese Erkenntnis sorge aber auch für „Zoff daheim“, wenn die Eltern andere Vorstellungen davon hätten, was gut für ihr Kind sei. „Die Beziehung zu euren Eltern ändert sich. Und ich hoffe, dass ihr mit euren Eltern streiten könnt. Diese Erfahrung der Auseinandersetzung ist wichtig, um euch auszuprobieren, aber auch um zu lernen, dass jede Freiheit ihre Grenzen hat“, betonte Genn. „Damals fand ich die Worte meiner Eltern oft blöd“, fuhr er zum Erstaunen der Jugendlichen fort. „Aber jetzt mit knapp 70 Jahren kommen mir ihre Worte ab und an wieder in den Sinn. Und ich muss zugeben, die Eltern hatten auch mal recht“, gab er schmunzelnd zu.

Beim Thema Sexualität betonte der Bischof ihren großen Wert. „Die Sexualität ist eine wertvolle Gabe, die Gott uns gegeben hat.“ Und es sei wichtig, Menschen zu haben, mit denen man über das Thema sprechen könne, „über die Fragen, die sich euch stellen. Auch ich habe und brauche Menschen, mit denen ich vertrauensvoll sprechen kann“, berichtete er.

„Und ihr befindet euch in einer Phase eures Lebens, in der die Stimme des Gewissens erwacht. Ganz tief in dir regt sich etwas und plötzlich weißt du: das ist es, was ich machen will.“ Auch das berge Konfliktpotential in sich. Vor allem dann, wenn die Eltern eine andere Vorstellung beispielsweise von der Berufswahl hätten. „Mein Vater wollte, dass ich Landwirt werde. Ich wollte aber Priester werden“, plauderte Genn aus dem Nähkästchen und betonte: „ Bleib bei dir. Hör auf das, was in dir ist.“

Dass der Bischof mit seinen Worten den Nerv der Jugendlichen getroffen hatte, zeigte sich beim anschließenden Lied „Ich glaube an dich“, das die effata-Band anstimmte. Mit lautem Klatschen sangen die Firmlinge begeistert mit. „Das nenne ich mal lebendig beten“, freute sich der Bischof über die Begeisterung der Jugendlichen.

„Es war toll, dass der Bischof so persönlich von sich erzählt hat“, zog David aus Ascheberg im Anschluss ein Fazit. Vor allem das, was der Bischof über die sich verändernde Beziehung zu den Eltern erzählt hat, hat den 14-Jährigen beeindruckt. „Das hat er gut auf den Punkt gebracht. Und er hat mich angeregt, weiter darüber nachzudenken, wie ich mich so verhalte, auch gegenüber meinen Eltern“, erzählte der Jugendliche. „Ich habe nicht erwartet, dass der Bischof so offen redet“, ergänzte Katharina aus Laer. Nicht nur der Bischof hat die 15-Jährige begeistert, sondern auch die Atmosphäre in der Jugendkirche: „Das war richtig cool, mit der Musik, den Videos, dem Licht.“

16. März 2018

In der Jugendkirche "effata" ging es um die Beziehung zu Jesus und Gott

"Ich freue mich riesig, dass ihr alle gekommen seid" – mit diesen Worten hat der Münsteraner Bischof Dr. Felix Genn am 16. März  den ersten Jugendgebetsabend des Jahres in der Jugendkirche "effata" zum Thema "Gott [?]" eröffnet. Mehr als 450 Jugendliche aus Bocholt, Beckum, Lembeck-Rhade, Nottuln, Telgte, Buldern, Metelen, Angelmodde und Billerbeck waren im Zuge ihrer Firmvorbereitung in die Jugendkirche gekommen. "Heute Abend kann ich vom Schönsten reden, was mich bewegt", fuhr der Bischof fort, "von Jesus Christus. Ich möchte euch erzählen, was er für mich bedeutet." 

Der Bischof erklärte den Jugendlichen, warum Jesus beim Thema Gott mit im Spiel ist. "Wir Menschen machen uns viele Bilder von Gott und haben schon immer Götterbilder geschaffen und diese auch zum Teil angebetet." Bei den Christen sei das anders, sie bräuchten keine Götterstatuen, "denn wir glauben, dass sich unser Gott uns gezeigt hat, in Jesus Christus von Nazareth." Und Jesus habe gezeigt, dass Gott den Menschen liebevoll begegnen will. Und jeden so liebe, wie er und sie sei.  
"Es hat schwere Phasen in meinem Leben gegeben, in denen ich mich mit anderen Menschen verglichen habe", öffnete der Bischof den Jugendlichen ein Fenster in seine eigene Jugendzeit. "Und ich habe gesehen, was ich alles nicht konnte, wie Fußball spielen, Mathe oder ein Musikinstrument spielen." Durch Jesus habe er aber gelernt, sich so zu akzeptieren, wie er ist. "Jesus spricht uns Mut zu und sagt: ,So wie du bist, bist du gut, bist du geliebt.`"

"Wir Christen haben die Möglichkeit, uns Jesus anzuvertrauen", fuhr Genn fort. "Ich möchte euch ermutigen, euch von Jesus anziehen zu lassen, mit ihm zu reden." Denn Jesus sei kein Gespenst, sondern jemand, dem man sich anvertrauen, dem man vertrauen könne. "Wenn ich persönlich sehr viel Angst oder schwere Entscheidungen zu treffen habe, wende ich mich an Jesus und erzähle ihm davon", gab Bischof Genn den Jugendlichen Einblick in seinen Umgang mit schwierigen Situationen. "Und dann sage ich: ,Jesus, ich vertraue dir, ich vertraue auf dich.‘" Das würde ihm  helfen und er forderte die Jugendlichen dazu auf, es auch einmal damit zu versuchen und mit Jesus Kontakt aufzunehmen und zu sagen: "Jesus, ich vertraue dir." Denn: "Jesus ist mein Freund. Durch ihn finde ich Gott."

Diese Offenheit war es, die den 16-jährigen Leonard Damhorst aus Telgte beeindruckt hat: "Es war toll,  dass der Bischof so persönlich gesprochen hat. Und er war lockerer, als ich es erwartet hatte", berichtete der Jugendliche. "So wie der Bischof erzählt hat, ist Jesus gar nicht so weit weg von uns, näher am Leben dran, als gedacht." Der Abend sei für ihn Motivation, sich mit Jesus auseinander zu setzen und zu schauen, was die 2.000 Jahre alten Texte ihm heute noch zu sagen hätten. Constantin Polke (16) ergänzte: "Ein Bild des Bischofs hängt bei uns in der Schule an der Wand. Ich hätte nicht gedacht, dass er so offen sprechen würde. Man hat gemerkt, dass er auf uns zugehen wollte." Nicht nur der Bischof hat Constantin begeistert, sondern die ganze Atmosphäre der Jugendkirche: "Das habe ich so nicht erwartet. Es war viel cooler, das mit der Musik der effata-Band, den Videoeinspielern, dem Licht."   

Am Ende des Wortgottesdienstes verteilte das Katechese-Team um Diözesanjugendseelsorger Hendrik Drüing und Caroline Freitag, pastorale Mitarbeiterin der Jugendkirche, Schlüsselanhänger mit dem WLAN-Zeichen an die Jugendlichen, als Erinnerung, die "Verbindung" nach oben, zu Gott zu halten.